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Mehr.Wert - Orientierung in komplexer Zeit

Heute ist Tag der Deutschen Einheit. Schwarz-Rot-Gold wird vielerorts zu sehen sein.

Bei Fußball-Länderspielen ist dieselbe Fahne für viele völlig selbstverständlich. Sie hängt am Balkon, wird über die Schultern gelegt oder auf die Wange gemalt. Bei einer Demonstration wirkt dieselbe Fahne anders, wenn mit ihr die Botschaft verbunden wird: Manche gehören zu Deutschland, andere nicht.

Ein Symbol spricht nicht allein. Der Zusammenhang spricht mit.

Mich interessiert deshalb nicht, ob wir mehr Flaggen zeigen sollten. Mich beschäftigt eine andere Frage: Überlassen wir anderen ein gemeinsames Symbol, wenn wir uns davon zurückziehen, weil sie es für etwas benutzen, das wir ablehnen?

Schwarz-Rot-Gold hat eine eigene demokratische Geschichte. Im 19. Jahrhundert standen die Farben für nationale Einheit und bürgerliche Freiheit. Sie wurden zu den Farben der Weimarer Republik und sind seit 1949 als Bundesflagge im Grundgesetz festgelegt.

Nach der Erfahrung des Nationalsozialismus ist deutsche Sensibilität gegenüber nationaler Überhöhung nachvollziehbar. Und auch Schwarz-Rot-Gold kann heute nationalistisch oder ausgrenzend verwendet werden.

Wer ein Symbol besonders sichtbar für sich beansprucht, bestimmt noch nicht allein, was es bedeutet.

Er kann prägen, wie wir es öffentlich wahrnehmen. Aber die öffentliche Wahrnehmung eines Symbols und mein eigenes Verhältnis dazu sind nicht dasselbe.

Für mich folgt daraus weder eine Pflicht zur Beflaggung noch demonstrativer Nationalstolz. Schwarz-Rot-Gold kann für mich für Demokratie, Freiheit und gemeinsame demokratische Zugehörigkeit stehen. Gerade deshalb widerspreche ich, wenn dieselben Farben für Ausgrenzung benutzt werden.

Herzliche Grüße
Dein David

Neue Podcast-Folge: Wann sind Schulden verantwortbar und wann werden sie zur Last?

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David Müller · Roggenweg 23 · 71364 Winnenden
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